Mit Dankbarkeit und Respekt denken wir zugleich an die Menschen, die in den vier Jahrzehnten nach 1945 unter hohem persönlichem Risiko immer wieder den Mut aufbrachten, die kommunistischen Diktatoren herauszufordern und für Freiheit und Demokratie einzutreten. Nicht wenige bezahlten für ihren Mut mit dem Leben. Die Aufstände und Freiheitsbewegungen in der DDR, in Ungarn, in der Tschechoslowakei und immer wieder in Polen haben die Hoffnung der Menschen auf Freiheit und Demokratie über die Jahrzehnte aufrechterhalten.

Wir werden nicht vergessen, dass es vor allem Polen waren, die für ihre und unsere Freiheit als Erste Breschen in das kommunistische Machtsystem geschlagen haben. Wir danken zugleich den Anhängern der tschechoslowakischen Charta 77, die uns ermutigt haben, in der Wahrheit zu leben. Wir erinnern auch all jene, die in Ungarn den Weg zur Demokratie frei machten und im Sommer 1989 den Eisernen Vorhang öffneten. Sowjetische Dissidenten haben sich lange vor Glasnost und Perestroika für die Wahrung der Menschenrechte eingesetzt. Und schließlich danken wir – und nicht zuletzt – jenen im Westen, die sich nie mit dem Eisernen Vorhang und den kommunistischen Diktaturen abgefunden, auf die Einhaltung der Menschenrechte gedrungen und die Opposition gegen die Regime unterstützt haben.

Mit ihren friedlichen Revolutionen gewannen die Völker Ostmitteleuropas ihre Freiheit, ihre staatliche Unabhängigkeit und Selbstbestimmung wieder, die sie fünf Jahrzehnte zuvor verloren hatten. Diese Revolutionen waren die entscheidende Voraussetzung, um die europäische und die deutsche Teilung zu überwinden. Als wir nach der Überwindung der SED-Diktatur den Weg zur Deutschen Einheit beschritten, war uns das Vertrauen unserer europäischen Nachbarn ein kostbares Geschenk. Als Folge der friedlichen Revolutionen können nun alle Deutschen zum ersten Mal in ihrer Geschichte in Freiheit und Demokratie, in Wohlstand, in anerkannten Grenzen und in wechselseitiger Achtung und Freundschaft mit ihren Nachbarn leben.

Wie das Jahr 1939 ist 1989 – wenn auch auf gegensätzliche Weise – zum europäischen Schicksalsjahr geworden. Ein freies und demokratisches Europa muss sich seiner Geschichte bewusst sein. Es braucht die Erinnerung an die kommunistische Ära und an ihre Überwindung. Ein erster Schritt ist getan: Im April hat sich das Europäische Parlament erstmalig zu dieser Verantwortung bekannt. Dieser Weg ist weiter zu gehen: Europa braucht eine aktive, verantwortungsbewusste Erinnerungskultur, die die nachwachsenden Generationen für neu aufkommende autoritäre und diktatorische Entwicklungen sensibilisiert.


Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU) (Berlin), Dr. h.c. Joachim Gauck, Gegen Vergessen – Für Demokratie (Berlin), Dr. Anna Kaminsky, v.i.S.dP., Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Berlin), Hans Altendorf, BStU (Berlin), Dr. Andreas H. Apelt, Deutsche Gesellschaft (Berlin), Prof. Dr. Jörg Baberowski, Humboldt-Universität zu Berlin (Berlin), Prof. Dr. Arnulf Baring, Historiker, Publizist (Berlin), Michael Beleites, Landesbeauftragter für die Stasiunterlagen (Dresden), Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Christoph Bergner, Bundesministerium des Innern (Berlin), Prof. Dr. Dieter Bingen, Deutsches. Polen-Institut (Darmstadt), Wolfgang Börnsen (Bönstrup) MdB, Schleswig-Holstein, Staatssekretär a.D. Klaus Bölling, Publizist (Berlin), Dr. Martin Böttger, BStU (Berlin), Heidi Bohley, Verein Zeit-Geschichte(n) (Halle/Saale), Hansgeorg Bräutigam, Richter i. R. 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(Berlin), Tom Sello, Robert Havemann-Gesellschaft (Berlin), Ilse Spittmann-Rühle, Journalistin (Köln), Friede Springer, Verlegerin (Berlin), Prof. Dr. Peter Steinbach, Universität Mannheim (Mannheim), Prof. Dr. Eckart D. Stratenschulte, Europäische Akademie Berlin (Berlin), Dr. Walter Süß, BStU (Berlin), Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D. (Berlin), Wolfgang Templin, Publizist (Berlin), Joachim Trenkner, Journalist (Berlin), Prof. Dr. Stefan Troebst, Geisteswissenschaftliches Zentrum für Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (Leipzig), Prof. Dr. Johannes Tuchel, Gedenkstätte Deutscher Widerstand (Berlin), Prof. Dr. Hans-Joachim Veen, Stiftung Ettersberg (Weimar), Friedrich Veitl, Verleger (Berlin), Siegfried Vergin, Politiker (Mannheim), Prof. Dr. Bernhard Vogel, Konrad-Adenauer-Stiftung (St. Augustin), Dr. Hans-Jochen Vogel, Gegen Vergessen – Für Demokratie (München), Jürgen Wahl, Publizist, ehem. Vorsitzender des AK Ostfragen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (Bonn), Christoph Waitz, MdB, Deutscher Bundestag (Berlin), Rainer Wagner, Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (Berlin), Joachim Walther, Schriftsteller (Berlin), Matthias Waschitschka, Verein Zeit-Geschichte(n) (Halle), Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Weber, Universität Mannheim (Mannheim), Konrad Weiß, Publizist (Berlin), Reinhard Weißhuhn, Robert-Havemann-Gesellschaft (Berlin), Dr. Gerhard Wettig, Historiker (Kommen), Wolfgang Wieland, MdB, Sprecher für Innere Sicherheit der grünen Fraktion (Berlin), Prof. Dr. Manfred Wilke, Historiker (Berlin), Prof. Dr. Heinrich August Winkler, Humboldt-Universität zu Berlin (Berlin), Hans-Eberhard Zahn, Bund Freiheit der Wissenschaft (Berlin)
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